Praktikum: zwischen Brötchentüten, iMacs und Kaffeetassen – meine vier Wochen bei e&w

Feuchte Hände, weiche Knie und Herzrasen – das erste Mal von Angesicht zu Angesicht mit Herrn Eberle.

Grund für diese Aufregung war mein Anliegen an ihn. Ich hatte meinen Vater, den Gewinner des Ideenwettbewerbes Rheinland-Pfalz 2014, zu einer Vorbesprechung für die Preisverleihung begleitet. Der Plan: Meine Chance der Kontaktaufnahme zu nutzen, um Herrn Eberle, einen der Stifter des Wettbewerbs, nach der Möglichkeit eines Praktikums in seiner Agentur eberle & wollweber zu fragen. Ziemlich nervös – ich war nicht sicher, ob ich ihn zu sehr in seiner Konzentration auf das Meeting stören würde und hatte außerdem Angst vor einer Absage – fasste ich nun all meinen Mut zusammen und wagte es, ein Gespräch zu beginnen.

Mit Erfolg – nachdem ich eine Bewerbung verschickt hatte, erhielt ich eine Zusage für mein Wunschpraktikum bei eberle & wollweber.

Da stand ich also, am Montag des 4. Mai 2015, vor der Tür der Agentur am Koblenzer Görres-Platz. Mein Abitur hatte ich im März hinter mich gebracht, sechs Wochen voller Erholung lagen hinter mir. Nun also eine neue Herausforderung. Einerseits sehr willkommen – das Nichtstun liegt mir nicht, andererseits auch begleitet von gespannter Erwartung und erneutem Herzklopfen.

Zum Glück war diese Aufregung unberechtigt – mein erster Praktikumstag begann mit einem reichhaltigen gemeinsamen Frühstück. Dieses ließ mich auf lockere Art meine zukünftigen Kollegen kennenlernen und eröffnete mir bereits Aussicht auf einen Teil der Unternehmensphilosophie von eberle & wollweber: Zum Wohle der Mitarbeiter wird Kulinarisches hier großgeschrieben. In meinen vier Wochen in der Agentur durfte ich sechs leckere Frühstücke und vier Mal freitags Sekt zur Einstimmung auf das Wochenende genießen.

Zurück zu meinem ersten Tag: An dem für mich vorgesehenen Schreibtisch angekommen, galt es prompt das erste Hindernis zu überwinden: Der Umgang mit meinen neuen Arbeitsgeräten, einem iMac und der dazugehörigen gewöhnungsbedürftigen Maus. Bisher nur mit Microsoft erfahren, bedurfte es einige Klicks bis ich alles durchschaut hatte.

Von Beginn an nicht mein bester Freund – der iMac.

Mit meinen neuen Beschäftigungen konnte ich direkt beginnen.

Kaffee kochen, kopieren und stumm den Kollegen bei deren Arbeit zuschauen – das Schicksal eines jeden Praktikanten.

Doch nicht hier.

Zum Glück hatte man mit mir anderes im Sinn: Ich sollte für ein (leider fiktives) Unternehmen ein Logo designen, ein Konzept für eine Veranstaltung gestalten und mir die entsprechenden Werbemaßnahmen überlegen. In dieser Aufgabe blühte ich auf – voller Motivation und Enthusiasmus ging ich das Projekt an.

18:00 Uhr. Mein erster Arbeitstag sollte schon vorbei sein? Eine Doppelstunde Chemie in der Schule erschien mir für gewöhnlich länger.

Doch nun, gerissen aus der Konzentration auf mein Projekt und zurück in der Realität, spürte ich eine bleierne Erschöpfung. Die vergangenen sechs Wochen waren wohl nicht spurlos an mir vorübergegangen – mein Körper war auf Schlafen bis 12 Uhr und ganztägige Entspannung programmiert.

Das hatte zur Folge, dass die Umstellung zu morgens um 6 Aufstehen und Zuhause sein um 7 Uhr abends mich nach Feierabend des ersten Tages förmlich erschlug. Als ich nach Hause kam, wurde ich augenblicklich von meinen vor Neugier überschäumenden Eltern nach meinen Erlebnissen gefragt. Mehr als ein gehauchtes „war gut“ brachte ich nicht mehr heraus, bevor ich ins Bett fiel. Müde, aber zufrieden.

Glücklicherweise gewöhnte sich mein Körper schnell an den neuen Rhythmus, genauso schnell wie er sich nach dem Lernstress während des Abiturs ans Aufstehen um 12 und faules Nichtstun gewöhnt hatte. ;)

Hierzu wird allerdings auch der von mir in umfangreichem Ausmaß genossene Kaffee beigetragen haben. Trotzdem fiel ich jeden Abend aufs Neue geistig und körperlich entkräftet ins Bett.

Die Abwechslung auf mehreren Ebenen, die der Arbeitsalltag mit sich brachte, verhinderte jedes Aufkommen von Langeweile.

Zum einen die inhaltliche Vielfalt der Arbeit durch die unterschiedlichen Kunden: vom Optiker über Schiefer und Autos bis hin zur Schule.

Zum anderen der Wechsel der Aufgabenarten: Logodesign, Veranstaltungsplanung, Bildrecherchen, Präsentationen erstellen, Produktnamen erfinden… Die Bandbreite der Aufgabenfelder überraschte mich positiv.

Und zuletzt auch die Abwechslung meiner Praktikumsinhalte: viel selbst arbeiten, aber auch viel lernen. Alle meine Fragen zum Thema Werbung und Marketingagentur wurden mir beantwortet. Wie ein Fotoshooting abläuft und wie viel unerwartete Organisation und Vorbereitung sich dahinter verbergen, wurde mir an der Case Study eines Shootings in Miami von Herrn Wollweber deutlich gemacht. Auch bei einem der letzten Schritte eines Auftrags, der Präsentation des Konzeptes im Meeting mit dem Kunden, war ich als Beobachterin dabei.

Faszinierend fand ich das Konzept XBM. Damit wurde mir gezeigt, wie man durch die Kombination von Schiefer mit Heidi Klum und Gamern innovative Marketingideen entwickeln kann. Zum Beispiel eine Schiefer-Ziegel designt von Harald Glööckler.

Kreativität brauchte es auch für eine besondere Herausforderung: die Schöpfung eines Produktnamens für einen neuen Tampon.

Von typischer Praktikantenarbeit blieb ich natürlich auch nicht vollkommen verschont – wenn es auch nicht ums Kaffee kochen und kopieren ging. Meine Aufgaben hier beschränkten sich auf Kartons zusammenbasteln, Pappen kleben und die Dosen des agentureigenen Prosecco beschriften.

Doch es gab auch ein Projekt, das meine Geduld wirklich strapazierte. Da sich Adressen von Partnern eines Unternehmens nicht aus dessen Internetseite kopieren ließen, mussten diese natürlich abgetippt werden. Das erwies sich als schwerer als erwartet, da die Partner aus Ländern um den ganzen Globus stammten und teilweise vollkommen unverständliche Namen hatten. So tippte ich in mühevoller Kleinarbeit mit meinem Zeigefinger Adressen, Telefon und Faxnummern ein, bis ich schlussendlich 12 Seiten zusammen hatte.

So etwas muss eben auch sein.

Nicht nur die Arbeit machte mir Freude, sondern auch der Umgang mit meinen Kollegen. Offen, freundlich, jede Frage wurde mir bereitwillig beantwortet.

Praktikum3

Im Büro und in der Mittagspause kam es oft zu unterhaltsamen Gesprächen. Bei diesen ließen sich einige Gemeinsamkeiten finden, wie leidenschaftliche Abneigung gegen Französisch in der Schule und exzessivem Kaffee-Konsum. Außerdem erhielt ich wertvolle Tipps: vom Muttertagsgeschenk bis zur Studienort-Wahl.

Ich befürchte nur, dass ich meinen Kolleginnen im Büro mit meinen Essgewohnheiten manchmal etwas auf die Nerven ging („Was kaust du da? Steine?!“) – an dieser Stelle meine aufrichtige Entschuldigung.

Obwohl der Job manchmal einigen Stress mit sich bringt (ständig zwischen der Grafik in der 3. und den Büros des Kontakt in der 4. Etage hoch- und herunterlaufen, ein ununterbrochen klingelndes Telefon) ist das Arbeitsklima angenehm und alle scheinen sich sehr wohl zu fühlen. Mir fiel besonders der familiäre Umgang untereinander auf. Es wird viel gelacht, alle Türen stehen offen, kaum spürbare Hierarchie. Amüsante Geschichten über vergangene Weihnachtsfeiern und kostümierte Aufnahmeriten bekräftigen den sehr positiven Eindruck, den ich von der Atmosphäre bei eberle & wollweber erhielt.

Schlussendlich bleibt nur festzuhalten: Die vergangenen vier Wochen haben mir viel Neues gezeigt: Die Besonderheiten einer Agentur, die Welt des Marketing und das Arbeitsleben allgemein.

Meine berufliche Zukunft wird im Mediensektor liegen. Ob mich mein Weg wirklich in die Werbung führen wird, weiß ich noch nicht. Was ich aber sicher weiß ist, dass ich den vielseitigen, bunten und kreativen Alltag bei eberle & wollweber sehr vermissen werde.

Danke für alles!

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Lea Schröder