Vom Werbegesicht zum Markengründer: Aktuelle Trends im Celebrity-Marketing

Wer kennt sie nicht- die Haribo-Werbung mit Gottschalk (später Bully Herbig), Pflege für die Haare angepriesen durch Palina Rojinski, oder Nivea-Spots mit dem Bundestrainer. Dass prominente Gesichter für Produkte werben ist schon lange gängige Praxis. Die Zusammenarbeit von großen Marken mit bekannten Persönlichkeiten ist nicht ohne Grund eine gern genutzte Werbeform.

Einige dieser Promis haben einen Vorstoß gewagt und bieten nun auf dem Markt ihre eigenen Produkte an. Und ihr Plan geht auf!

Der Vorteil gegenüber „herkömmlicher“ Werbung

Wozu mit Prominenten werben? Ganz einfach: Es geht um ihre Persönlichkeit. Im besten Falle soll das gute Image der Person auf die Marke bzw. ihr Produkt übertragen werden. Zudem kann die Werbung neben Sympathie auch Qualität und Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Schließlich würde eine Stefanie Giesinger sicher nicht irgendein Billigprodukt aus China promoten, sondern hochqualitative Produkte, hinter denen sie steht. Darüber hinaus hat die Werbung mit Bekanntheiten den Vorteil, dass sie unter der Vielzahl an Spots auffällt und stärker erinnert wird. Eine Studie zeigte, dass die Marken bei Spots mit Prominenten um bis zu 8 Prozent mehr erinnert werden als bei vergleichbaren Spots ohne Testimonial. Ein weiterer Pluspunkt: Die junge Zielgruppe eifert häufig einem Idol nach und weist dadurch ein stärkeres Interesse für deren beworbene Produkte auf.

Als Produktbewerber wird Prominenten nur ein Bruchteil des ganzen Erfolgs zuteil. Warum nicht stattdessen ein eigenes Produkt bewerben und das Gesicht der eigenen Marke werden? Dem Rapper Capital Bra ist so im vergangenen Jahr ein großer Erfolg geglückt. Er brachte seine eigene Pizza unter der Marke „TeamCapi“ mit dem Namen „Gangstarella“ auf den Markt. Bis zum Jahresende verließen rund 3,5 Millionen Pizzen mit einem Umsatz von rund 14 Millionen Euro die Läden. Einen großen Anteil an diesem Erfolg hatte sicher auch die Werbung über seine eigenen Social-Media-Kanäle. Seine knapp 6,5 mio. Fans konnte „Capi“ im Nu erreichen und überzeugte ebenso mit der Neuheit einer halal-konformen Pizza.

Auch in 2021 ist bereits ein weiterer Promi auf den Zug aufgestiegen. Joko Winterscheidt, der bekanntermaßen gerne in Start-Ups investiert, gründete erst kürzlich eine eigene Schokoladenmarke. Sie trägt den unverwechselbaren Namen „Jokolade“ und startete mit einem großen Hype auf Social Media.

Was in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt, machen Stars in Amerika bereits seit einigen Jahren. Die Düfte von Christina Aguilera, Sportartikel von Kate Hudsons Firma „Fabletics“, oder Make-Up von Reality-Star Kylie Jenner haben sich längst auf dem deutschen Markt etabliert.

Schokoladen gibt es viele. Aber warum was macht scheinbar normale Produkte so erfolgreich?

Zum einen haben prominente Gründer bereits eine große Fangemeinde hinter sich. Über die sozialen Medien können sie ihre eigene Reichweite zum Nulltarif nutzen. Dazu kommt, dass sich Kunden hier einen unverwechselbaren USP kaufen: Den Promi. Das ist es, was die Tafel Schokolade von den anderen unterscheidet.

Ebenso beugt es einer der größten Gefahren, die Celebrity-Werbung birgt, vor. Wenn Prominente für eine Menge verschiedener Produkte ihr Gesicht in die Kamera halten wird die Glaubwürdigkeit von vielen Außenstehenden angezweifelt, was im schlimmsten Falle dem Ruf der Marke oder des Produkts schaden kann. Dem gegenüber suggerieren Capital Bra und Co. mit ihren Eigenmarken auf authentische Art und Weise, dass sie von ihrem Produkt so überzeugt sind, dass sie es mit ihrem bekannten Namen verbinden.

Indes haben die Supermärkte Rewe, Edeka und Kaufland die Zusammenarbeit mit dem Rapper ausgebaut. Nachdem zunächst nur zwei Pizzasorten erhältlich waren, kamen in diesem Frühjahr gleich zwei neue Geschmacksrichtungen auf den Markt. Und da zu Pizza nun mal auch ein Kaltgetränk gehört, gibt es nun auch den „BraTee“ von Capital Bra zu kaufen. Wir dürfen gespannt sein, wie erfolgreich sich diese neuen Produkte verkaufen und wie die Bilanz nach einem Jahr „Jokolade“ ausfällt.