Wie eine virtuelle Influencerin die Markenkommunikation verändert

Gutes Storytelling ist immer noch das mächtigste Mittel, um in den sozialen Netzwerken erfolgreich zu sein. Und wer es schafft, dabei authentisch zu sein, gewinnt den Jackpot. Gerade, wenn es darum geht, eine Person als Marke aufzubauen. Das kalifornische Tech-Startup Brud nutzt seine CGI-Expertise, um dieses Konzept zumindest teilweise auf den Kopf zu stellen.

„Are you human or a robot? I’m confused…“

Miquela Sousa tauchte 2016 zum ersten Mal in den sozialen Netzwerken auf. Das Model begann, wie viele andere auch, Instagram als Bühne zu nutzen, um als Influencerin durchzustarten. Mit Fashion Content schaffte sie es, in kurzer Zeit eine signifikante Reichweite zu erzielen und erste Jobs an Land zu ziehen. Mittlerweile war sie das Gesicht für Marken wie Chanel, Diesel oder Samsung und hat 2,9 Millionen Follower auf Instagram. Das ist erstmal nicht ungewöhnlich für Influencer, doch eine Besonderheit gibt es hier: Lil’ Miquela ist nämlich ein, in der CGI-Schmiede von Brud, virtuell erstellter Avatar und nicht real. Doch das wurde erst 2 Jahre nach ihrem Erscheinen bekannt.

Zu echt, um wahr zu sein

Influencer sind schon lange nicht mehr aus der Social Media Welt wegzudenken. Sie versuchen möglichst authentisch und glaubhaft die Markenbotschaft nach außen zu tragen. Dabei wird die Authentizität der Produktplatzierung oftmals infrage gestellt, da es kein Geheimnis ist, das diese Instagramer für gesponserte Posts bezahlt werden. Allerdings stellt niemand in Frage wie authentisch ein nicht reales CGI-Model, wie Lil‘ Miquela, bekannte Marken bewirbt.

miquela

Eine genial inszenierte „Seifenoper“ oder steckt da mehr dahinter?

Es ging den Entwicklern erstmal nicht um Reichweite. Vielmehr wollten sie die Aufmerksamkeit der Investoren bekommen, die nach solch einer Story mehr denn je bereit waren, in virtuelle Online-Charaktere zu investieren. Entsprechend einer Analyse, veröffentlicht in Bloomberg November 2020 von OnBuy, verdient Miquela Sousa 8,960,000 Euro pro Jahr bzw. über 10 Millionen Dollar. Ungefähr 8,000 Dollar soll sie hierbei für gesponserte Posts verlangen, so OnBuy. Das macht sie, mit Abstand, zur bestbezahlten Robot-Influencerin.
Aktuell ist das Startup von Trevor McFedries und Sara Decou etwa 110 Millionen Euro (125 Millionen Dollar) wert und bekam bereits rund 5,5 Millionen Euro (6 Millionen Dollar) von Gesellschaftern wie Sequoia Capital, einer der erfolgreichsten Investoren der Welt. Allerdings halten sich die Gründer weiterhin geheimnisvoll, was Gründe und Ziele für die Erschaffung von Miquela waren, sowie was den Design Prozess des CGI Models angeht.

Lil Miquela ist nicht die Einzige

Zwei weitere virtuelle Influencer sind mittlerweile in Miquelas Leben getreten. 
Die Rede ist vom männlichen Avatar Blawko und dem weiblichen Model Bermuda. Letztere hackte sich in Miquelas Instagram Account, wodurch sie schließlich zugegeben hat: „Ja, ich bin nur ein Roboter.“. Nach Beendigung der mehrtägigen Social Media Fehde, wurde Freundschaft unter den virtuellen Influencern geschlossen. So ist Miquela nun öfter mit ihnen unterwegs oder arbeitet auch zusammen an Werbekampagnen mit ihnen. Zusätzlich zu Instagram veröffentlich Miquela auch eigene Songs über Spotify und sogar Musikvideos werden dafür gedreht.

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Brud gibt uns damit einen Vorgeschmack darauf, wie nichtlineares und plattformübergreifendes Storytelling uns in die Zukunft begleiten und immer mehr zur Normalität für uns werden könnte. Schon jetzt zeigt sich, dass Social Media User mehr als bereit sind, künstliche Intelligenz zu akzeptieren und mit dieser in einem öffentlichen Raum zu interagieren.