Inbetweens zwischen full-time Minijobs und Zukunftsangst

Absolventen und Berufseinsteiger sind heute so flexibel und mobil wie nie. Unternehmens- oder gar Branchenwechsel innerhalb kürzester Zeit sind für sie normal und werden nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als charakterbildende, persönliche Herausforderung gesehen. Der Berufseinstieg heute ist aber auch so unsicher wie noch nie. Die Inbetweens hangeln sich von einem Zeitvertrag zum nächsten – die Generation Praktikum befindet aufgrund dieses andauernden Switchens ganz schön zwischen den Stühlen.

Viele Wege führen zum erfolgreichen Berufseinstieg

Gab es früher meist nur zwei Möglichkeiten in einen Beruf einzusteigen – durch Ausbildung oder Studium – führen heute viele Wege zum Ziel. Der traditionelle Einstieg mittels Ausbildung ist heute vor allem in handwerklichen Berufssparten immer noch der favorisierte Weg, um einen Fuß ins Unternehmen zu setzen. Jedoch haben junge Menschen heute weitaus mehr Möglichkeiten, um den geeigneten Beruf zu finden.

Ob Ausbildung, Studium, Traineeprogramme, Praktika oder Selbstständigkeit, der Karriere sind fast keine Grenzen gesetzt. Doch genau das stellt viele Schulabsolventen und Berufseinsteiger vor eine große Herausforderung. „Vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen“ trifft dabei wohl kaum besser zu als beim Phänomen der Inbetweens.

In between – zu deutsch „zwischen“ oder „Übergang“. Genau dem sehen sich die Inbetweens gegenüber gestellt. Die Ungewissheit, was nach dem Schulabschluss und dem Gap Year in Australien oder dem x-ten Praktikum tatsächlich auf einen zukommt. Und ob überhaupt irgendetwas auf einen zukommt.

Zwischen „Hotel Mama“ und dem ersten Arbeitsvertrag

Zu der Lebensstilgruppe der Inbetweens zählen nach Schätzungen des Zukunftstinstitutes heute rund 1,7 Millionen junge Menschen. 2020 soll die Zahl bereits bei etwa 2,9 Millionen liegen. Dabei decken die Inbetweens vor allem die Altersgruppe der 16- bis 29-jährigen ab – eine deutliche Erweiterung der Altersspanne der Berufseinsteiger verglichen mit dem durchschnittlichen Alter beim Auszug aus dem Elternhaus noch vor wenigen Jahrzehnten.

Grund dafür ist aller Voraussicht nach die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt für junge Berufseinsteiger. Den direkten Einstieg in ein Unternehmen gibt es kaum noch. Es wird stets ein breites Repertoire an praktischer Erfahrung gefordert, selbst bei denjenigen, die gerade erst ihre akademische Ausbildung beendet haben. Daher ist es für die Mehrheit an jungen Menschen heute normal, bereits während des Studiums mehrere Praktika absolviert zu haben und auch in der Übergangsphase zwischen Studienabschluss und Berufseinstieg sind Praktika die erste Wahl, um sich weitere berufliche Qualifikationen für den Lebenslauf anzueignen und gegebenenfalls einen ersten Fuß in das Unternehmen zu bekommen.

Nicht zu unrecht werden die Inbetweens also auch „Generation Praktikum“ genannt. Statistiken zeigen, dass rund 18 % nach ihrer Ausbildung ein Praktikum machen. Gut 20 % der Ausgebildeten machen sogar zwei und mehr Praktika in ihrer beruflichen Übergangsphase. Damit einher geht auch die fehlende Selbstständigkeit der Inbetweens, denn aus finanzieller Sicht sind derartige Beschäftigungen wenig rentabel und lassen es nicht zu, die anfallenden Lebenshaltungskosten selbst zu tragen. Daher steigt das Alter der Ausgebildeten, die noch bei ihren Eltern wohnen zwangsläufig weiter an. Mittlerweile ist es mit Mitte 20 gar nicht mehr abwegig, noch oder wieder im Elternhaus zu wohnen.

Das Mindestlohngesetzt hat zwei Seiten der Medaille

Die finanzielle Unsicherheit der Inbetweens und Dauer-Praktikanten ist schon seit Jahren Thema in der Wirtschaft und den Medien. Besonders problematisch wird dabei die Tendenz zur Ausbeutung von Praktikanten, die sie als billige Arbeitskräfte darstellt. Dem wurde Anfang 2015 nun der Riegel vorgeschoben. Seit Januar 2015 gilt bundesweit das Mindestlohngesetzt, das einen Stundenlohn von mindestens 8,50 € gesetzlich festlegt.

Damit soll der finanzielle Engpass der Praktikanten und allen anderen Geringverdienern in Ansätzen behoben werden. In der Praxis sieht es jedoch bedauerlicherweise – wie so oft – anders aus. Unternehmen nutzen Schlupflöcher des Mindestlohngesetzes, das Beschäftigungen von bis zu drei Monaten sowie Pflichtpraktika außen vor lässt. Viele Unternehmen stellen daher kaum noch Langzeitpraktikanten ein, um Gelder zu sparen. Entwicklungen zeigen zudem, dass etwaige Stellen gänzlich aus der Personalplanung gestrichen werden: Bereits im ersten Quartal nach Einführung des Mindestlohnes fielen 237.000 Jobs ersatzlos weg. Eine Kausalität der beiden Entwicklungen ist wohl kaum anzuzweifeln.

Inbetweens wollen arbeiten, sich weiterentwickeln und einen Beitrag leisten

Dabei sollten Unternehmen in der Anstellung von Absolventen und Praktikanten vielmehr eine Chance sehen als eine finanzielle Bürde. Inbetweens sind in der Regel sehr gut ausgebildet und haben aufgrund der Notwendigkeit von einem gewissen Level an Berufserfahrung bereits ein vielfältiges und aussagekräftiges Portfolio an praktischen Qualifikationen im Zuge von Praktikumsbeschäftigungen gesammelt.

Anstelle einer Ablehnung von Praktikantenstellen sollten Unternehmen die Möglichkeit wahrnehmen, junge, motivierte Arbeitskräfte zu fördern und anzulernen, um sie eventuell auch nach Abschluss des Praktikums weiter zu beschäftigen. Das Potenzial in einem solchen Modell liegt vor allem darin, dass der Berufseinsteiger im Zuge eines Praktikums bereits erste wichtige Kenntnisse über das Unternehmen und interne Strukturen erworben hat, was eine Eingliederung in das bestehende Team deutlich vereinfacht. Außerdem ist eine Anstellung eines bereits eingearbeiteten Praktikanten als langfristigen Mitarbeiter risikoloser, da man schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet und sich kennengelernt hat.

Frischer, kreativer Wind in der Unternehmensentwicklung

Junge Menschen haben oftmals andere Vorstellungen von Produkten und Dienstleistungen und können mit neuen Perspektiven frischen, konzeptionellen Wind in ein Unternehmen und insbesondere in die Produktentwicklung bringen. Sie vertreten die kommerziell nicht außer Acht zu lassende Altersgruppe der 14- bis 35-jährigen. Mit ihren Kenntnissen über die Bedürfnisse und Wünsche dieser kaufstarken und äußerst konsumorientierten Zielgruppe ermöglichen sie ihrem Unternehmen, erfolgsversprechende und Zielgruppen-orientierte Produkte und Dienstleistungen anzubieten und sind daher nahezu unentbehrlich für eine zukunftsversierte Unternehmensentwicklung.

Eine andere Möglichkeit Ideen zu entwickeln, die sich unter anderem an Trends, Lebensstilen und weiteren wirtschaftlichen Parametern wie den unterschiedlichen Merkmalen verschiedener Branchen oder dem zu erwartenden Wettbewerb orientieren, ist die Anwendung von Ideen generierenden Methoden wie der XBM-CROSS BUSINESS MARKETING-Methode. Hierbei werden durch gezieltes, strategisches Querdenken und Verbinden von verschiedensten Ansätzen neue, innovative Produkt- und Dienstleistungsideen kreiert. Da die einzubeziehenden Einflüsse und dabei insbesondere zukunftsorientierte Trends und Lebensstile erst in einigen Jahren ihre volle Tragweite erreichen werden, ist davon auszugehen, dass sich die aus diesen Methoden resultierenden Innovationen auch in Zukunft auf dem Markt durchsetzen können.

Trends & Lebensstile

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